Südwest Presse – Bericht vom 14.01.2014

image

Lob von allen Seiten

von Peter Wörz

Starke Menschen, starker Wettkampf: 500 Zuschauer sahen am Sonntag in Gammertingen den Kugelstoß-Weltmeister David Storl und die Vizeweltmeistern Christina Schwanitz. Die eröffneten dort die Hallensaison.

Es gab Momente, da konnte es Uwe Mühlbauer selbst nicht richtig fassen. “Ich bin ganz hin und weg”, sagte der Geschäftsführer des TSV Gammertingen am Sonntag mit dem Blick durch die Gammertinger Alb-Lauchert-Halle. Die war in eine Kugelstoß-Arena umfunktioniert worden, 500 Zuschauer machten mächtig viel Stimmung – und die Weltklasse-Athleten David Storl und Christina Schwanitz dankten es mit guten Leistungen.

Mühlbauer und der TSV hatten eine Premiere abgeliefert, welche auch die Athleten in ihren Bann zog. “Da kann man nur den Hut ziehen, das ist eine ganz starke Sache hier”, sagte David Storl. “Kugelstoßen ist eine spektakuläre Sportart, man muss für die Zuschauer aber halt auch etwas daraus machen”, lobte der Doppelweltmeister und Silbermedaillengewinner von London die Kugelstoß-Gala. Er trug seinen Teil zur guten Unterhaltung bei, als er im sechsten und damit auch letzten Versuch die Kugel auf 20,37 Meter wuchtete und damit die Qualifikationsweite (20,30) für die Hallen-WM im polnischen Sopot Anfang März meisterte. Damit gewann er natürlich auch den Wettbewerb in Gammertingen vor Marco Schmidt vom SC Yburg Steinach (19,43) und Tobias Dahm vom VfL Sindelfingen (18,95).

Es war der erste Wettkampf in der Hallensaison für den Chemnitzer. “Dafür bin ich ganz zufrieden”, sagte Storl, “es fehlt zwar noch die Konstanz und der Rhythmus, aber ich habe ja angedeutet, in welche Richtung es gehen kann.” Damit meinte der 23-Jährige seinen zweiten, aber ungültigen Stoß, der über die 21-Meterlinie flog.

Dass Storl überhaupt in Gammertingen antrat, ist Uwe Mühlbauer und einer glücklichen Fügung zu verdanken. Mühlbauer, der das Ausnahmetalent schon einige Jahre kennt, da er als Schiedsrichter und Geräteprüfer auch bei nationalen und internationalen Wettbewerben im Einsatz ist, hat Storl im vergangenen Jahr einfach mal gefragt, ob er nicht auch mal nach Gammertingen kommen wolle. Storl war nicht abgeneigt.

Als sich dann der Termin auftat, da das Meeting in Nordhausen/Thüringen nicht mehr stattfindet, bekam die Idee Dynamik, und aus dem einstigen regionalen Kugelstoß-Wettkampf wurde eine topbesetzte Gala, Mühlbauer mobilisierte lokale Sponsoren und Topathleten.

Am Sonntag waren auch der U18-Weltmeister Patrick Müller und die Vizeweltmeisterin Christina Schwanitz im Laucherttal am Start. Schwanitz Kugel wurde von der Atmosphäre gleich im ersten Versuch auf starke 19,27 Meter getragen. Damit hat die 28-Jährige vom LV Erzgebirge die WM-Qualifikationsweite (17,80) locker überboten.

“Das ist optimal hier”, genoss auch Schwanitz den Wettkampf, “das Publikum kommt nur wegen dem Kugelstoßen. Ansonsten werden wir häufig am Rande von großen Events abgehandelt. Aber hier kommt man mit den Menschen in Kontakt.”

Bei so viel Lob von allen Seiten war auch Organisator Uwe Mühlbauer ein Sieger: “Ich bin einfach nur glücklich.” Daran konnte auch Tobias Hepperle nichts ändern. Der Kugelstoßer vom VfB Stuttgart verfehlte zweimal die Richtung, die Kugel landete außerhalb des Feldes, federte zweimal vom extra verlegten Holzboden ab und wurde erst von der Hallenwand gestoppt. Die beiden Dellen, die das Sportgerät dort hinterlassen hat, wird in Gammertingen noch einige Zeit an eine gelungene Kugelstoß-Gala erinnern.

 

(Quelle: swp.de, 14.01.14)